DJI Mini 4 Pro oder DJI Air 3S: unter 249 Gramm gegen den Zoll großen Sensor

Zwei Kameradrohnen desselben Herstellers, beide mit 4K bei 60 Bildern je Sekunde in HDR, beide mit 20 Kilometern Übertragungsreichweite. Getrennt werden sie durch ein paar Gramm und durch die Größe des Sensors.
Wer die Klasse erst noch sortiert, findet den Überblick bei den Drohnen. Hier stehen die DJI Mini 4 Pro und die DJI Air 3S mit ihren Datenblättern nebeneinander.
- Die Mini 4 Pro, wenn ohne Prüfung geflogen werden sollunter 249 g, C0-Zertifikat für die Kategorien A1 und A3, 34 Minuten Flugzeit, 4K/60 fps HDR auch im Hochformat, omnidirektionale Hindernisvermeidung, ActiveTrack 360 Grad
- Die Air 3S, wenn Bildqualität den Ausschlag gibt1-Zoll-CMOS als Hauptkamera, zwei Kameras, bis zu 14 Blendenstufen Dynamikumfang, LiDAR nach vorn für Nachtflüge, 45 Minuten Flugzeit, C1-Zertifikat mit Online-Prüfung
- Beide übertragen bis 20 km und nehmen 4K mit 60 Bildern je Sekunde in HDR auf
Die zwei Kandidaten
DJI Mini 4 Pro
Unter 249 Gramm, Klasse C0
DJI Air 3S
1-Zoll-Sensor, zwei Kameras
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | DJI Mini 4 Pro | DJI Air 3S |
|---|---|---|
| Startgewicht | unter 249 g | keine Angabe |
| EU-Klasse | C0, Kategorien A1 und A3 | C1, mit Registrierung und Online-Prüfung |
| Kameras | eine | zwei |
| Sensor der Hauptkamera | keine Angabe | 1 Zoll CMOS |
| Video | 4K/60 fps HDR, auch vertikal | 4K/60 fps HDR |
| Dynamikumfang | keine Angabe | bis 14 Blendenstufen |
| Panorama | keine Angabe | freies Panorama, Weitwinkel und Tele |
| Hinderniserkennung | omnidirektional | omnidirektional, LiDAR nach vorn |
| Nachtflug | keine Angabe | Hinderniserkennung auch bei Nacht |
| Verfolgungsmodus | ActiveTrack 360 Grad | keine Angabe |
| Rückkehrfunktion | keine Angabe | wählt die Route auch bei schwachem GPS |
| Flugzeit | 34 Minuten | 45 Minuten |
| Übertragung | bis 20 km | bis 20 km |
| Fernsteuerung im Set | RC-N2, braucht ein Smartphone | RC-N3, braucht ein Smartphone |
| FPV-Brillen | mehrere Modelle, separat erhältlich | keine Angabe |
| Ladegerät | keine Angabe | separat erhältlich |
Werte nach den Herstellerangaben zu genau diesen beiden Ausführungen. Das Startgewicht der Air 3S steht nicht im Datensatz, deshalb „keine Angabe“; hinterlegt ist nur ein Versandgewicht samt Verpackung, das nichts über die Drohne aussagt. Dasselbe gilt für die Abmessungen, die deshalb ganz fehlen. Dass zum Sensor der Mini 4 Pro nichts vermerkt ist, heißt nicht, dass sie keinen guten hätte, sondern nur, dass ihre Sensorgröße hier nicht ausgewiesen ist. Die Flugzeiten sind Herstellerangaben unter günstigen Bedingungen und fallen bei Wind, Kälte und viel Schwebeflug deutlich niedriger aus. Die Angaben zu Zertifikaten und Prüfungen geben den Stand der Datenblätter wieder und ersetzen keinen Blick in die jeweils geltenden Vorschriften. Die Rechnungen weiter unten beruhen auf allgemeinen Erfahrungswerten, nicht auf Messungen an diesen Drohnen. Die hervorgehobene Zelle ist der bessere Wert, nicht automatisch der wichtigere. Eine fehlende Angabe zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Warum ein Gramm über den ganzen Aufwand entscheidet
Die Rechnung mit den 250 Gramm
Die europäische Einteilung zieht ihre wichtigste Linie bei 250 Gramm Startgewicht. Eine Drohne unter dieser Grenze fällt in die Klasse C0, und für sie entfällt der Kompetenznachweis, der oberhalb verlangt wird.
Unter 249 Gramm zu bleiben ist deshalb kein Zufall, sondern eine Konstruktionsvorgabe, an der sich Akku, Rahmen und Kamera ausrichten müssen. Ein einziges Gramm mehr würde die ganze Kategorie wechseln.
Oberhalb der Grenze kommt bei der Klasse C1 eine Registrierung und eine Online-Prüfung dazu. Das ist keine große Hürde, aber es ist ein Termin, ein Konto und eine Nummer, die an der Drohne kleben muss.
Praktisch heißt das: Wer spontan im Urlaub fliegen will, kauft die Grenze mit, nicht nur die Kamera. Wer ohnehin registriert ist, verliert durch die schwerere Drohne nichts.
Was 14 Blendenstufen Dynamikumfang bedeuten
Die Rechnung mit dem Gegenlicht
Jede Blendenstufe verdoppelt die Lichtmenge. Vierzehn Stufen entsprechen deshalb einem Helligkeitsverhältnis von rund sechzehntausend zu eins zwischen der dunkelsten und der hellsten noch gezeichneten Stelle im Bild.
Genau dieser Bereich entscheidet bei Sonnenauf- und Sonnenuntergängen. Eine Kamera mit weniger Reserve muss sich zwischen einer ausgefressenen Sonne und schwarzen Schattenpartien entscheiden, weil beides zusammen nicht mehr auf den Sensor passt.
Der zweite Effekt eines großen Sensors zeigt sich bei wenig Licht: Größere Pixel sammeln mehr Photonen je Bildpunkt, weshalb bei Dämmerung weniger Bildrauschen entsteht und ein Nachtbild noch brauchbar bleibt.
Praktisch heißt das: Am hellen Mittag liegen beide Drohnen dichter beieinander, als der Sensorunterschied vermuten lässt. Die Stunde vor Sonnenuntergang trennt sie.
Was von 34 und 45 Minuten Flugzeit übrig bleibt
Die Rechnung mit der Rückflugreserve
Vom angegebenen Wert geht zuerst die Reserve ab. Wer bei zwanzig Prozent Restladung landet, verliert von vierunddreißig Minuten rund sieben und von fünfundvierzig rund neun.
Dazu kommen Start, Steigflug und Landung, die zusammen leicht zwei bis drei Minuten kosten, und der Rückweg: Aus einem Kilometer Entfernung braucht eine Drohne bei rund fünfzehn Metern je Sekunde etwa siebzig Sekunden zurück.
Übrig bleiben grob fünfundzwanzig gegen vierunddreißig Minuten, in denen tatsächlich gefilmt wird. Bei Gegenwind schrumpfen beide Werte weiter, weil die Motoren gegen die Luft arbeiten müssen, ohne dass sich die Drohne bewegt.
Praktisch heißt das: Der Unterschied von elf Minuten auf dem Papier bleibt auch in der Praxis rund neun. Das ist ein zusätzlicher Anflug auf dasselbe Motiv, nicht bloß eine Zahl.
Wofür welche Drohne reicht
Wie sich die kleine Drohne im Einzelnen schlägt, steht im Test der DJI Mini 4 Pro. Wer vor allem Bewegtbild plant, findet die passenden Modelle bei den Drohnen für Videografie, und für Aufnahmen am Boden lohnt der Blick auf die Actionkameras.
Wo jede von beiden gewinnt
Für die Mini 4 Pro spricht
- Unter 249 g und damit Klasse C0
- Kein Kompetenznachweis für A1 und A3 nötig
- 4K/60 fps HDR auch im Hochformat
- ActiveTrack mit 360 Grad Verfolgung
- Passt zu mehreren FPV-Brillen des Herstellers
Für die Air 3S spricht
- Hauptkamera mit 1-Zoll-CMOS
- Zwei Kameras für Weitwinkel und Tele
- Bis zu 14 Blendenstufen Dynamikumfang
- LiDAR nach vorn, auch bei Nacht
- 45 Minuten Flugzeit statt vierunddreißig
Die beiden Drohnen sind sich an den Stellen einig, die früher den Unterschied gemacht haben: Beide filmen 4K mit sechzig Bildern je Sekunde in HDR, beide übertragen bis zu zwanzig Kilometer weit, beide erkennen Hindernisse rundum, beide werden mit einer Fernsteuerung geliefert, die ein Smartphone braucht. Der Trennstrich verläuft anderswo. Die Mini 4 Pro ist um eine Zahl herum gebaut: Unter 249 Gramm zu bleiben, kostet Sensorfläche und Akkukapazität, spart dafür aber den Kompetenznachweis und macht sie zur Drohne, die man ohne Vorbereitung einpackt. Die Air 3S nimmt sich die Freiheit, schwerer zu sein, und setzt sie in einen Zoll großen Sensor um, in eine zweite Kamera, in vierzehn Blendenstufen Dynamikumfang und in elf Minuten mehr Flugzeit. Wer bei Sonnenuntergang filmt, sieht diesen Unterschied im ersten Clip.
Wenn keine von beiden passt
Häufige Fragen zu Kameradrohnen
Ab wann braucht man einen Drohnenführerschein?
Maßgeblich ist das Startgewicht zusammen mit der Klasse der Drohne. Unterhalb von 250 Gramm entfällt der Kompetenznachweis in der offenen Kategorie A1, oberhalb wird er verlangt. Eine Registrierung als Betreiber und eine sichtbar angebrachte Nummer sind davon unabhängig fällig, sobald eine Kamera an Bord ist. Vor dem ersten Flug lohnt ein Blick in die jeweils geltende Fassung der Vorschriften, denn sie wird regelmäßig angepasst.Wo darf man mit einer Drohne fliegen?
Nicht über Menschenansammlungen, nicht in Kontrollzonen von Flughäfen und nicht über bestimmten Anlagen wie Krankenhäusern, Kraftwerken oder Naturschutzgebieten. Für die Planung gibt es Karten in den Apps der Hersteller und offizielle Portale, die gesperrte Bereiche und Sonderregeln zeigen. Im Ausland gelten eigene Regeln, auch innerhalb Europas.Wie stark beeinflusst Wind die Flugzeit?
Deutlich. Eine Drohne, die gegen den Wind auf der Stelle steht, arbeitet mit voller Motorleistung, ohne sich zu bewegen. Bei kräftigem Wind verkürzt sich die Flugzeit spürbar, und der Rückweg wird zum kritischen Teil, wenn er gegen den Wind führt. Deshalb fliegt man den Hinweg möglichst gegen den Wind und lässt sich zurücktragen.Was bringt ein größerer Bildsensor?
Mehr Fläche je Bildpunkt und damit weniger Rauschen bei schwachem Licht sowie einen größeren Kontrastumfang. Bei hellem Tageslicht ist der Unterschied gering, in der Dämmerung und bei Gegenlicht wird er offensichtlich. Ein größerer Sensor braucht dafür ein größeres Objektiv, was Gewicht kostet und deshalb bei leichten Drohnen an Grenzen stößt.Wie lange halten Drohnenakkus?
Übliche Flugakkus vertragen etwa zwei- bis dreihundert Ladezyklen, bevor die Kapazität merklich nachlässt. Sie mögen weder volle Ladung über Wochen noch Tiefentladung, weshalb die meisten Modelle nach einigen Tagen Lagerung selbstständig auf einen mittleren Stand entladen. Kälte senkt die verfügbare Kapazität zusätzlich, deshalb gehören Akkus im Winter warm in die Jackentasche.Die Entscheidung in einem Satz
DJI Mini 4 Pro faltbare Mini-Drohne mit 4K HDR Kamera und RC-N2 Fernsteuerung
Für den Einstieg und für alles, was spontan passieren soll, ist die Mini 4 Pro die vernünftigere Drohne: Sie bleibt unter 249 Gramm, fällt damit in die Klasse C0 und erspart den Kompetenznachweis für die Kategorien A1 und A3, filmt trotzdem 4K mit sechzig Bildern je Sekunde in HDR und sogar direkt im Hochformat, erkennt Hindernisse rundum und verfolgt Motive über volle 360 Grad. Die Air 3S ist die Wahl, sobald das Bild wichtiger wird als die Formalitäten: eine Zoll große Hauptkamera, eine zweite Kamera dazu, bis zu vierzehn Blendenstufen Dynamikumfang für Gegenlicht und Dämmerung, LiDAR nach vorn für Flüge bei Dunkelheit und fünfundvierzig statt vierunddreißig Minuten in der Luft. Registrierung und Online-Prüfung gehören dann zum Kaufpreis dazu.


